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Christi Himmelfahrt – ein überholtes Thema, ein überflüssiger Feiertag?
Gedanken zum Himmelfahrtsfenster in der Dippoldiswalder Stadtkirche
So also hat man das vor gut hundert Jahren als Buntglasfenster gestaltet: „Christi Himmelfahrt“. Später, Mitte der sechziger Jahre des zwanzigsten
Jahrhunderts, so erzählen alte Dippser, als die Kirchgemeinde damals mit viel Engagement daran ging, das Innere ihrer Kirche zu erneuern, gab es vor allem aus der Sicht der professionellen Denkmalpflege
Stimmen, die Buntglasfenster aus dem Altarraum der Stadtkirche zu entfernen und einfache, farblose Fenster einzusetzen. Der schöne Raum sollte wieder so hell, so
licht sein, wie damals 1638, als er nach der Zerstörung im dreißigjährigen Krieg neu geweiht wurde.
Nun, die Glasfenster sind geblieben, die Dippser wollten es so. Die Kunstwerke sind restauriert worden und zieren heute den Raum, der nun dank elektrischer
Beleuchtung nicht finster wirken muss.
Aber dieses Himmelfahrtsbild?
Schön ist es ja, beispielsweise die Gestaltung der Farben im Hintergrund, fast schon modern. Und davor Jesus
mit gütigem, gesammelten, fast schon überirdischem Gesichtsausdruck, nur mit einem weiten weißen Tuch
bekleidet, in Glorie und Wolken gehüllt. Segnend entweicht er in den Himmel, die Apostel schauen anbetend hinterher.
Nur bleibt die Frage: Ist diese „Himmelfahrt“ tatsächlich ein Grund für einen ganzen Feiertag? Sicher der
Himmelfahrtstag war nicht tot zu kriegen, auch als er in der DDR gar kein Feiertag mehr war. Viele Männer nahmen einen Tag Urlaub für eine Herrentagspartie und so.
Aber „Christi Himmelfahrt“ – was meint denn das, wie soll man sich das vorstellen, und was ist daran so wichtig?
Natürlich glauben wir Christen nicht, dass damals Jesus auf einer Wolke wie mit einem Fahrstuhl zum Himmel
aufgefahren ist. Wenn das mit Lichtgeschwindigkeit geschehen wäre – wo wäre er jetzt nach knapp 2000 Jahren
? Was die Bibel in ihren verschiedenen, teilweise ziemlich bildhaften Berichten von Christi Himmelfahrt meint, ist
doch wohl dies: Christus, der auferstandene Jesus von Nazareth wurde, nachdem er, der Gekreuzigte, zu Tode
gequälte sich als der Lebendige vor seinen Jüngern erwiesen hatte, aufgenommen in die unsichtbare,
verborgene, aber doch auch allgegenwärtige Welt Gottes. in den „Himmel“ wie man damals bildhaft sage. Nicht
die Welt der Wolken, der Flugzeuge, Satteliten und Astronauten ist im religiösen Sprachgebrauch gemeint, wenn
von „Himmel“ die Rede ist, sondern eine ganze Dimension gewissermaßen, Welt Gottes, unabhängig von den
Bindungen unserer Welt und von Raum und Zeit. Damals dachte mancher sicher tatsächlich an die Welt da oben,
wenn er von Himmel sprach. Ein Physiker unserer Zeit spricht in Hinsicht auf den Himmel von einer besonderen
Dimension, die sich vorzustellen ihm nicht weniger schwer viele, als manches andere in seinem Fach, und das doch real ist.
Wie dem auch sei: Himmel, die Welt Gottes, unabhängig und schon vor der Schöpfung da, eine Welt, in die
hineinzuschauen so ohne weiteres uns nicht möglich ist, so etwas meine wir wohl mit „Himmel“. Ist ja oft so, dass ein Wort, verschiedene Sachen beschreibt: ein Schloss gibt es an der Tür und als Wohnsitz der Könige, eine
Bank als Möbelstück und als Kreditinstitut; und „Himmel“ eben auch einerseits als Forschungsgegenstand der
Meteorologie und anderseits, wenn die Theologie von „Himmel redet, meint sie schon was anderes.
Und warum solcher Feiertag?
Himmelfahrt meint: Jesus ist eingegangen in die Welt Gottes „...aufgefahren in den Himmel“, wie das alte
Glaubensbekenntnis sagt, und dann gleich erklärend nachschiebt: „... er sitzt zur rechten Gottes, des allmächtigen
Vater...“ Das heißt: Jesus ist jetzt gleichfalls Herr der Welt. Das allerdings ist ein aufregender Gedanke, wenn
man ihn zu Ende denkt: Also nicht die Macht des Geldes und des Kapitals, die Macht der Mächtigen unserer Welt
, die Macht menschlicher Eigenschaften und Eigenarten oder was auch immer, hat letztlich die Macht, sondern
dieser Jesus, der gütig mit Menschen gelebt hat, der verbindlich Wort Gottes verkündet hat, der sich nicht mit
Gewalt durchgesetzt hat, aber doch seine Sache gut zum Ziel bringt, der anderen Freiheit lässt und doch für
jeden eine gute Aufgabe hat... Dies zu bedenken, was das für unser Leben bedeuten sollte, ist eigentlich
tatsächlich einen besonderen Tag wert. Dass der, der Liebe schlechthin war, zur Rechten Gottes sitzt, also
herrscht, und dass er, der Herr der Welt, der Gleiche ist wie damals Jesus von Nazareth, das sollte in Bewegung
bringen. Dass nun nicht mehr nur gilt: Gott ist da, wo der Himmel ist, sondern, „wo Gott ist, da ist Himmel“ wie es
in einem in unserer Kirche gern gesungenen Himmelfahrtslied heißt, das sollte uns nicht gleichgültig sein.
Manches ist schwierig an dem Dippoldiswalder Himmelfahrtsfensterbild. Aber dass hier Jesus auch beim Thema
„Himmelfahrt“ so nah, so gütig und doch auch so menschlich dargestellt ist, das ist schön. Und dass dieses
Thema die Fensterbilderfolge Weihnachten, Karfreitag, Ostern in unserer Kirche so abschließt, das macht Sinn.
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