Evangelisch - Lutherisches    Kirchspiel  Dippoldiswalde - Schmiedeberg

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Die Bilder an den Ratsherrenempore der Dippoldiswalder Stadtkirche

Die älteste der Emporen, die in der Zeit des Barocks in die Dippoldiswalder Stadtkirche eingebaut worden sind, ist die untere  Empore über dem Nordeingang. Sie wird “Ratsherrenempore” genannt, weil früher die Mitglieder des Rates der Stadt während der Gottesdienste hier ihre Plätze hatten. Bemerkenswert, mit welchen Bildern man die Bretter der Brüstung dieser Empore bemalt hat - Bilder, die durchaus nicht ohne Aktualität an die Aufgaben der Obrigkeit erinnern:

Blick von der Orgelempore zur Ratsherrenempore

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Die Kassetten-
decke im Altarraum

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Stadtkirche
Übersicht

Wemm Sie die Bilder genauer anschauen wollen, bitte auf die Bilder klicken.

1. Das erste Bild der Ratsherenempore bezieht sich auf Exodus 17,6: Während der Wüstenwanderung des Volkes Israel schlägt Mose an den Fels - und Wasser kommt heraus. Die Bildumschrift “Väter, wälzt die Steine weg, dass ich meine Schafe tränke” spinnt diese Szene gedanklich weiter: Die Obrigkeit soll dafür sorgen, das die Menschen ihre Arbeit tun können, und sie soll ihnen dabei Steine aus dem Weg räumen.

2. Aber nicht jeder ist in der Lage zu arbeiten. Das zweite Bild, das sich auf Jesu Gleichnis vom barmherzigen Samariter bezieht - dargestellt ist, wie der hilfsbereite Samariter zupackt und den unter die Räuber gefallenen verbindet, während Priester und Levit (rechts im Bild) vorüber gegangen sind, erinnert an die soziale Verpflichtung der Obrigkeit den Schwachen gegenüber.  Auch das ist ihre Aufgabe, für die zu sorgen, die sich nicht selbst helfen können. Die bildumschrift lautet: “Geh nicht vorüber, hilf dem Armen, denn er bearf jetzt deines Erbarmens”

3. Das dritte Bild spricht nun die Aufgabe der Obrigkeit an, für Gerechtigkeit zu sorgen, die Guten zu schützen, die Bösen zu strafen, und das alles nicht nach Ansehen der Person (darum die verbundenen Augen) sondern allein dem Recht und der Gerechtigkeit folgend. In der linken Hand trägt die Person die Wage der Gerechtigkeit, in der rechten das Schwert: Notfalls darf die Obrigkeit das Recht auch mit Macht durchsetzen. Die Bildumschrift lautet: “Habt Gerechtigkeit lieb ihr Regente auf Erden. Und fürchtet Gott mit Ernst”

4. Freilich bedarf es zur Durchsetzung des Rechtes auch viel Klugheit und Weisheit. Daran erinnert das Bild, das das Urteil des König Salomo darstellt
(1. Könige 3,16ff): Zwei Frauen hatten je ein Kind. Da erdrückte die eine Frau im Schlaf ihr Kind. Als sie es merkt, tauscht sie ihr totes Kind gegen das der anderen Frau, die noch schläft, aus. Natürlich erkennt die andere den Betrug und verlangt ihr lebendes Kind zurück. Die Sache kommt vor den König. Dort behaupten beide Frauen, das lebende sei ihr eignes Kind. Da befiehlt der König, das eine noch lebende Kind mit dem Schwert in zwei Teile zu teilen - jede der Frauen soll einen Teil dabvon haben. Da verzichtet die eine Frau: dann soll lieber die andere das Kind haben - nur soll es am Leben bleiben. So erkennt der König, wer die eigentliche Mutter ist: die, für die das Leben des Kindes der höhere Wert ist als das Kind zu besitzen.
Die Bildumschrift lautet:”Sehet zu, was ihr tut. Denn Gott ist mit euch im Gerichte.”

5. “Mit reiner Brüder Treu. Mit Gott und für das Volk” - Dieses Bild bezieht sich auf Mose und Aaron: So verschieden sie waren, sie waren doch Brüder, und gemeinsam traten sie mehrmals entschlossen  vor den Pharao, um ihn zu veranlassen, ihr Volk in die Freiheit ziehen zu lassen. Wieder eine Mahnung an den Rat der Stadt: Mag man untereinander zwar verschieden sein, und auch verschiedene Interessen haben - es kommt darauf an, gegenüber der Obrigkeit, gegenüber Kurfürst und Kaiser und überhaupt nach außen, gemeinsam und brüderlich treu die Interessen der anvertrauten Bevölkerung zu vertreten.Mit Gott - und für das Volk!

6. Das letzte der Bilder der Ratsherrenempore mit der Bildumschrift “Weisheit muss vom Himmel kommen - kommt aber nicht in boshaftige Seelen”, bedarf eigentlich nicht viel Erklärung sondern nur Beherzigung. Das Bild zeigt den König Salomo im Gebet.