Evangelisch - Lutherisches    Kirchspiel  Dippoldiswalde - Schmiedeberg

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Erneuerung des Geläutes der Dippoldiswalder Stadtkirche

Am 3. September 2007 wurden die alten Glocken aus Stahl vom Turm geholt - und am Lutherdenkmal, auch ein wenig als ein Denkmal - aufgestellt. Wir sind sehr dankbar, dass die Kirchgemeinde schon 1949 viel Mühe darauf gewandt hatte, dass neue Glocken für die im Krieg abzuliefernden guten alten Bronzeglocken angeschafft wurden. Freilich konnten das damals nur Glocken aus Stahl sein. Die dadurch bedingten Nachteile mussten hin genommen werden:
Der Klang passte nicht zur einzigen erhaltenen kleinen alten Bronzeglocke aus der Reformationszeit und Stahlglocken haben nur eine recht begrenzte Lebenszeit.

Nach der Abnhame der Stahlglocken wurde die verschlissen gewesene Läutetechnik  demontiert und die Zimmerleute haben  inzwischen entscheidendes geleistet an der Sanierung unseres wertvollen historischen Glockenstuhls aus dem 17. Jahrhundert.

Am Freitag, 30.  November, wie üblich 15.00 Uhr zur Sterbestunde Jesu sind  in Karlsruhe , eingebunden ein einen kleinen Gottesdienst die neuen Dippoldiswalder Glocken gegossen worden (Bericht siehe unten). Die fachliche Abnahme der Glocken ist noch vor Weihnachten erfolgt und sowohl der Glockengießermeister als auch der Sachverständige Dipl. Ing. Schumann aus Dresden berichten vom wirklich schönen Klang der neuen Glocken.

Eindrücke vom Guss der neuen Glocken in Karlsruhe

Am 30. November erreichte gegen 14.00 Uhr eine Gruppe aus Dippoldiswalde nach über sieben Stunden Bussfahrt die Glockengießerei Albert Bachert in Karlsruhe, um hier dabei zu sein beim Gießen der drei neuen Glocken für die Dippoldiswalder Stadtkirche.

Nachdem man sich mit Kaffee und Pfefferkuchen gestärkt hatte, erklärte Frau Bachert in anschaulichem Vortrag wesentliches zum Handwerk der Glockengießerei: Sie sprach von der Geschichte der Glocken überhaupt, und vor allem davon, wie Glocken heute, übrigens fast genauso wie vor fünfhundert Jahren, hergestallt werden: Der Glockengießermeister entwirft zuerst die Glockenrippe, also das Profil der Glocke in Holz. Diese Arbeit ist schwierig und erfordert die Erfahrung der Familientradition der Glockengießer und natürlich auch Kenntnisse in Physik, damit der Ton der Glocken auf den sechszehntel Ton genau getroffen mit den entsprechenden Obertönen nach den Vorgaben des Auftragsgebers realisiert wird. Dass der Glockengießer sich dabei genau an die Vorgaben des Auftraggebers hält ist nötig, damit das klangliche Ergebnis wirklich gut wird. Für Dippoldiswalde beispielsweise waren von den Experten aus Dresden zwei Klangvarianten vorgeschlagen worden. Wichtig war dabei vor allem, dass die neuen Glocken gut harmonieren mit der alten Taufglocken aus dem 16. Jahrhundert, aber auch mit den Glocken der katholischen Kirche, die in Hörweite sind. Von den beiden vorgeschlagenen Klangvarianten hatte sich der Kirchenvorstand für die einfacherer und klangschönere entschieden, einen Dreiklang in dis-moll.

Frau Bachert berichtete, wie und aus welchen Materialien die innere Form der Glocke, danach die sogenannte falsche Glocke, und schließlich die äußere Form hergestellt werden: Lehm vor allem, aber auch Stroh und Kuhmist, Wachs und manches andere werden verwendet. Etwa zwei Monate hatten die Mitarbeiter der Glockengießerei die Formen gebaut und gebrannt. Nun waren die Glockenformen bereits in der Erde und bereit, die Bronze aufzunehmen.

Glocken werden immer freitags ab 15.00 Uhr, also zur Sterbestunde Jesu, gegossen – so ist es in Deutschland überall Brauch . Und weil dann immer noch gewartet wird, bis die Bronze so weit ist, ws sich anscheinend nicht genau planen lässt, hatte auch die Gruppe aus Dipps nun noch genügend Zeit eine interessante und sehr gute Ausstellung in der Firma über das Glockenwesen zu besichtigen. Wer die allgemein bekannten Sprüche aus Schillers Glockengedicht hier erwartet hatte wurde vielleicht enttäuscht. Umso bereichernder war, was man erfahren konnte. Vieles war für die meisten Besucher neu. Beeindrucken beispielsweise ein großes Bild mit einem Glockenfriedhof vom Ende des zweiten Weltkriegs. Tausende Kirchenglocken standen da abgestellt – auch noch nach Kriegsende. Alle Glocken waren während des Krieges „für Rüstungszwecke“ abgenommen, dann aber gar nicht eingeschmolzen worden. Hat jemand schützend die Hände über sie gehalten, dieses Geschehen gebremst? Oder hat jemand die Abnahme der Glocken unnötig forciert?  Herrmann Göhring jedenfalls hatte, wie man lesen konnte, versprochen, dass es nach dem Krieg nicht mehr als zwölf Glocken in Deutschland geben sollte. Liegt das auf einer ähnlichen Linie wie jener fast zeitgleiche Äußerung Hitlers in einem seiner mit stenografierten Tischgespräche, als er sinnierte, ob man nicht nach dem gewonnen Krieg den Papst feierlich auf dem Petersplatz in Rom hängen sollte, oder der den eigentlich verlorenen Krieg fortzusetzen vor sich selbst auch damit rechtfertigte, noch möglichst viele Juden vernichten zu können.?

Zurück nach Karlsruhe. Als  es dann so weit war, dass die Bronze die erforderliche Temperatur erreicht hatte, wurden die Besucher in die große Halle der Gießerei geführt. Es mutete wirklich ein bisschen mittelalterlich an: In der Mitte der große Kessel glühend brodelnder Bronze. Der Ofen über einem ausgedehnten Erdhaufen, in dem die Formen der Glocken eingegraben sind. Oberirdisch waren Flussläufe in die Erde mit Lehm und Ziegeln geformt, Wege, die die Bronze dann nehmen sollte auf dem Weg zu den Glockenformen.

Aber noch war es nicht so weit. Der Ofen wurde geöffnet und Zuschläge hineingegeben und alles verrührt. Dann war es so weit. Der eigentliche Glockenguss sollte beginnen. Die beiden Pfarrer de Gemeinden, deren Glocken gegossen wurden sprachen im Wechsel  mit  allen anwesenden ein Gebet. Danach gab Glockengießermeister Albert Bachert den Befehl: „In Gottes Namen – Metall!“ und der Glockenguss sollte beginnen.

Spannend für alle wurde es jetzt auch, weil der Stopfen des Kessels, der zu Beginn des Glockengusses, damit die Bronze austreten kann, in den Kessel hineingeschlagen werden muss, sich offensichtlich so verkeilt hatte, dass die Glockengießer mehr als fünfzehn Minuten intensiver Arbeit brauchten, um den Bronzefluss in Gang zu bringen. Schließlich war es dann aber so weit, und dirigiert vom Meister wurde eine Glocke nach der anderen gegossen, nicht ohne dass  die Bibelworte, die die Glocken zieren werden, jeweils laut verlesen wurden. Beeindruckend war die Professionalität, die Spannung, Reaktionsschnelligkeit und Sicherheit mit der die Glockengießer alles bewerkstelligten und zwischen entstehenden und verlöschenden Feuern (die organischen Bestandteile der Glockenformen geraten bei Kontakt mit der heißen Bronze in Brand) und zwischen Kanälen und Seen glühender Bronze hin und her liefen. Vieles, auch der viele Rauch und die Hitze wirkte wie im Mittelalter.

Als die Arbeiten vollbracht waren, fand der Glockenguss mit Fürbitten, Segen, Vaterunser und dem gemeinsamen Lied „Großer Gott wir loben dich“ seinen Abschluss.

Ankunft der neuen Glocken in Dippoldiswalde am 3. Februar 2008

9.30 Uhr: Die Glocken, festlich geschmückt, kommen gesteuert von Kirchvorsteher Andreas Kunath auf dem Obertorplatz an und werden unter Spiel des Posaunenchor von einer großen Gemeinde empfangen. Auch der Bürgermeister und der “Dippold” sind zugegen.

In drei Stationen in der Stadt - vor dem Gottesdienst in der Stadtkirche  am Obertorplatz, nach dem Gottesdienst am Gerberplatz und auf dem Markt werden von Kirchvorstehern, Leuten aus der Jungen Gemeinde und vom Pfarrer die einzelnen Glocken vorgestellt und Gedanken zum Morgen- Mittags- und Abendgebet, zu dem später je eine der Glocken rufen soll, angesprochen - immer wieder bereichert durch das Spiel des Posaunenchores und durch Lieder der Gemeinde.

Eine Freude waren auch die herzlichen Worte vom Bürgermeister und vom Vorsitzenden des katholischen Pfarrgemeinderates zum Abschluss auf dem Markt unserer Stadt.

4. Februar 2008.

Sehr sehenswert: Aufnahmen durch Harald Weber: hier klicken und auch hier

Sonntag, 16. März
Glockenweihe in Dippoldiswalde

Am 16. März 2008 wurden in einem festlichen Gottesdienst die Glocken der Dippoldiswalder Stadtkirche geweiht. Seitdem läuten sie, festlich zum Beginn der Gottesdienste und früh mittags und abends an den Werktagen rufen sie zu Momenten des Innehaltens und des Gebets.