|
Schön ist die Ebenmäßigkeit des Portales als Ganzes im Übergangsstil der Romanik zur Gotik. Rechts und links des Portales sind allerdings deutlich Ansätze von
Gewölbe in Richtung des Raumes vor dem Hauptportal erkennbar, der heute unbebaut ist. Gab es einstmals eine Vorhalle der Kirche? Welche Funktion hätte diese gehabt? Oder ist hier eine Planung während der
Realisierung des Baues verändert worden? Noch rätselhafter sind Ritzspuren im Sandstein des Hauptportales. Um der Mitte des 20. Jahrhunderts vertrat man nicht selten die Auffassung, das hier Zeugnisse alter
germanischer Fruchtbarkeitsriten vorlägen, was natürlich sicher vom Geist der damaligen zeit mit angeregt war.. Heute liegt uns die Deutung näher, dass die Ritzspuren entstanden seien, als mittelalterliche
Kirchenbesucher hier ihre Schwerter abgestumpft hätten, als sie die Kirche betraten, da die Kirche ein Ort des Friedens ist. Rätselhaft auch die runden Vertiefungen hier im Sandstein: Wurde hier - etwa in den
frühen Morgenstunden des Ostertages - Feuer aus dem Stein gewonnen? Wenn diese Deutungen zuträfen, dann erinnerten die Ritzspuren am Hauptportal daran, dass der Wille Gottes auf Frieden ausgerichtet ist, und dass
das Böse und der Tod nicht das letzte Wort haben. Aber - wie schon gesagt - was letztlich die Bedeutung dieser eigenartigen Spuren ist, wissen wir also nicht - nur dass die Rillen und Näpfe aller
Wahrscheinlichkeit nach sehr alt sind, und dass man ähnliches auch andernorts findet ist sicher.
|